Kulturvermittlung 2.0
Was ist Kulturvermittlung?
Allgemein versteht man unter dem Begriff der Kulturvermittlung die Berührungsebene zwischen dem Künstler, dem Kunstwerk und dem Publikum. Im Inneren des daraus entstehenden Dreiecks befinden sich Akteure, Aktionen und Utensilien der Kulturvermittlung. Allerdings ist der Raum zwischen den drei Komponenten solange nicht existent, bis er durch Kulturvermittlungsmaßnahmen explizit definiert wird. Es handelt sich um ein Arbeitsfeld mit großer Kapazität, das jedes Mal neu kreiert und gestaltet werden muss. Man kann von Brücken, aber auch von Netzen sprechen, die durch die Vermittlungsarbeit entstehen. Tatsache ist, dass die drei genannten Bereiche auf Grund ihrer Besonderheiten nicht selbstverständlich miteinander verschmelzen, weswegen ein vermittelnder Eingriff von Außen notwendig ist, um sie zu vereinen und einander zu eröffnen. Dabei gilt es zu beachten, dass der neu erschaffene Raum keine zusätzlichen Hürden auferlegen, sondern vielmehr die Zugangsschwellen senken soll. Aus der Theorie in die Praxis übertragen, bedeutet das, dass die Aufgabe der Kulturvermittler darin besteht durch gezielte und strategisch durchdachte Aktionen und Konzepte Anreize zur Kommunikation, Interaktion und vor allem zur Interessenbildung zu schaffen. Die Vorgehensweise kann in diesem Fall nicht genormt werden, da sich in der Kulturvermittlung kein einheitliches Schema auf alle Sachverhalte anwenden lässt. Vielmehr ist ein Feingefühl für die Besonderheiten jedes einzelnen Falles gefragt.
Die Kulturvermittlung ist der Hauptinteraktionspartner in dem Dialog zwischen den Kultur- und Kunstschaffenden und einem potenziellen Publikum. Ohne kulturvermittelnde Maßnahmen ist eine fruchtbare Begegnung zwischen den beiden Seiten schwer möglich. Insbesondere aus dem Grund, dass Kunst nicht im Hinblick auf eine Nachfrage kreiert wird und es somit erstmal kein Publikum gibt. Erst die Vermittlung formt das Publikum. Sie weckt Neugier, Interesse, schafft die nötige Transparenz und erleichtert bzw. ermöglicht überhaupt erst den Zugang.
Möglichkeiten der Kulturvermittlung im web 2.0
Die Entstehung des web 2.0 führt zu zunehmender Demokratisierung der Kultur durch die Erschaffung neuer und vielfältiger Zugänge zum kulturellen Angebot. Kultur zu vermitteln bedeutet heute Netzwerke zu bilden, virtuelle und reelle Foren anzubieten und neue Austauschmöglichkeiten zu erfinden. Die Präsenz der Netzwerke spielt in der Kulturbranche eine existentielle Rolle, die nicht unterschätzt werden darf. Das Festival clubtransmediale (Berlin) hat beispielsweise letztes Jahr eine große Partie des Programms dem virtuellen Austausch in seinen multiplen Formen gewidmet. Kulturvermittler beginnen verstärkt die Veränderungen aktiv zu nutzen – ein weiter Weg, allerdings mit starkem Entwicklungspotenzial.
Mit dem Geist der Zeit gehen lautet die Devise.
„Öffentliche Kulturbetriebe haben in Deutschland einen strukturellen Ewigkeitscharakter“ (Armin Klein) Auch für diese staatlichen Kulturgiganten ist es wichtig, neue Wege der Kommunikation zu nutzen, um ihre Funktionalität zu optimieren. Diese Institutionen könnten in vielen Fällen von den neuen Möglichkeiten des web 2.0 profitieren, um das oft eingestaubte Image und allgemein ihre Effizienz zu verbessern.
Ein gutes Beispiel für das Umdenken lieferte bereits 2007 die britische Band „Radiohead“, die ihr damals neues Album online zur Verfügung gestellt hat. Jeder Käufer konnte selbst bestimmen, wie viel er für den Download zahlen möchte. Der Durchschnittspreis war angemessen hoch und die Verkaufszahlen der CDs waren höher als normalerweise.
Sobald man also zum Umdenken bereit ist, eröffnen sich neue realisierbare Möglichkeiten.
Fragen, die sich stellen:
Welche konkrete Rolle hat der Kulturvermittler im web 2.0?
Welche Aufgaben kann er übernehmen?
Welche Inhalte sollte ein virtuelles Kulturvermittlungsnetzwerk enthalten?
Welche Formen kann Kulturvermittlung 2.0 annehmen?

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